Programmübersicht
Das zweite MinD-Symposium beleuchtet unter dem Titel „Zufall, Risiko und Chancen“, wie die Wissenschaft mit unsicheren Informationen umgeht.
Donnerstag 10:45 – 12:15 Uhr:
Freitag 9:30 – 10:30 Uhr:
- Klaus Mainzer: Zufall, Chaos und Selbstorganisation
- Hans-Paul Schwefel: Zufall in evolutionären Algorithmen
Freitag 10:45 – 11:45 Uhr:
- Dittmar Graf: Evolutionsbiologie
- Jürgen Eichberger: Entscheiden bei Unsicherheit
- Regina Schröter: Chancen riskieren
Freitag 12:00 – 13:00 Uhr:
- Norbert Leitgeb: Wie sicher ist sicher genug?
- Hans-Hermann Dubben: Forschung und Zufall
- Michael Fackler: Die Finanzkrise
Freitag 14:00 – 15:00 Uhr:
- Claus Kiefer: Der Quantenkosmos
Susanne Haberstroh: Psychologie von Wahrscheinlichkeit und Zufall- Ersatzvortrag: Martin Dresler: Träume sind Schäume?
- Michael Schillmeier: Zur Mediation von Risiken
Freitag 15:15 – 16:15 Uhr:
- Klaus Kroy: Zufall in der Physik
- Florian Mundhenke: Zufall im zeitgenössischen Film
- Jörn Quitzau: Fußball 2030
Freitag 16:45 – 17:45 Uhr:
- Wolfgang Graf: Sicherheit von Tragstrukturen und unscharfe Daten
- Holger Stein: Der Grund für die Boni
- Nils Zurawski: Kontroll(technik), Risiko(Management), Stadt(planung)
Freitag 18:00 – 19:00 Uhr:
- Jutta Roosen: Risikowahrnehmung und Konsumentenverhalten
- Felix Treibmann: Chance als Möglichkeit, ein Ziel zu erreichen
- Dieter Seifert: Zufall, Risiko & Chancen in der forensischen Psychiatrie
Programmbeschreibungen
Träume sind Schäume?
Neuronale Zufälle und die Chancen des Schlafens
Der Mensch verbringt etwa ein Drittel seines Lebens im Schlaf, einem Zustand, der lange Zeit als inaktiv und nutzlos missverstanden wurde. Erst mit der Entwicklung des EEGs in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wurde der Schlaf als äußerst aktiver und inhomogener Zustand vielfältiger zentralnervöser und hormoneller Prozesse erkannt, der u.a. die Gedächtnisbildung und Kreativität fördert. Zudem birgt der Schlaf einige der außergewöhnlichsten Erfahrungen unseres Lebens: Im Traum erleben wir Ereignisse, die wir im Wachzustand für vollkommen absurd, surreal oder zumindest höchst ungewöhnlich halten würden. Die Schlafforschung der letzten Jahrzehnte hat die neuronalen Mechanismen des Träumens stetig weiter aufgedeckt, für viele der außergewöhnlichen Merkmale des Träumens existieren mittlerweile plausible Versuche der Erklärung. Der prominenteste dieser Versuche interpretiert Träume als eine Synthese von neuronalen Zufallsaktivierungen des von äußeren Inputs abgeschnittenen Gehirns.
Martin Dresler hat (Bio-)Psychologie, Philosophie und Mathematik in Bochum und München studiert und in München und Marburg promoviert. Derzeit forscht er am Max-Planck-Institut für Psychiatrie über neuronale Prozesse des Träumens, Schlafens und Lernens. Nach einigen Jahren in der Programmvorbereitung der MinD-Akademien hat er 2009 das erste MinD-Symposium organisiert.
Forschung – die Chance auf Erkenntnis und das Risiko, auf einen Zufall hereinzufallen
In einer klinischen Studie wird die Wirkung zweier Medikamente A und B miteinander verglichen. In der Patientengruppe, die Medikament A erhalten hat, gibt es mehr Erfolge als in der anderen Gruppe mit Medikament B. Ist A nun wirklich besser als B? Der Unterschied könnte auch zufällig sein wie beim Münzwurf. Auf 10 Würfe mit einer fairen Münze erwartet man im Mittel 5 Mal Kopf und 5 Mal Zahl. Aber meistens erhält man kein 5:5 Verhältnis auf 10 Würfe. Oder meine Studie zeigt gleich viele Erfolge in beiden Gruppen. Sind die Medikamente A und B nun tatsächlich gleichermaßen wirksam? Kann es Zufall sein wie beim Fußball? Zwei bekanntermaßen ungleiche Mannschaften treten gegeneinander an und können trotzdem unentschieden spielen. Um in der Forschung möglichst nicht auf Zufälle hereinzufallen, werden so genannte Signifikanztests durchgeführt. In diesem Vortrag wird der diesen Tests zugrunde liegende Gedankengang erläutert. Die Ergebnisse statistischer Signifikanztests werden allerdings sehr häufig falsch interpretiert und deren Aussagekraft überschätzt. Dies führt zu zahlreichen „statistisch signifikanten“, aber trotzdem falschen und entsprechend widersprüchlichen „Erkenntnissen“. Eine Verbesserung dieser Situation wird hier angeboten.
PD Dr. rer. nat. Hans-Hermann Dubben studierte Physik in Berlin und Hamburg. Er hat in der technischen Entwicklung, in der medizinisch-experimentellen und der klinischen Forschung und im Health Technology Assessment gearbeitet. Seine Tätigkeit wurde mit dem Fischer-Appelt-Preis für hervorragende Lehrleistungen und dem Holthusen-Preis für exzellente wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet. Er ist Autor bzw. Ko-Autor dreier populärwissenschaftlicher Bücher. In denen geht es um Forschungsmethodik, um Irrtümer, Trugschlüsse und unausgewogene Berichterstattung in der medizinischen Wissenschaft, sowie um beliebte und resistente Irrtümer im täglichen Leben.
Entscheiden bei Unsicherheit
Entscheidungen finden zumeist unter Unsicherheit über die Konsequenzen der wählbaren Handlungsalternativen statt. Ob ein Arzt über die angemessene Therapie für einen Patienten nachdenkt, ein Finanzmanager eine Anlagestrategie sucht oder ein Lotto-Spieler über die Gewinnchancen einer Zahlenfolge spekuliert, das Ergebnis der Handlungen wird mehr oder minder von Faktoren mitbestimmt, über die Unsicherheit besteht. Die großen Erfolge der statistischen Analyse im Versicherungsbereich haben dazu geführt, dass die Methoden der statistischen Entscheidungstheorie bei vielen Problemen der Entscheidung unter Unsicherheit zum Einsatz kommen. Die statistische Entscheidungstheorie ist jedoch nicht voraussetzungslos und eignet sich daher für viele Anwendungsfälle nur bedingt. Der Vortrag zeichnet wesentliche Schritte nach, die zur Dominanz der statistischen Entscheidungstheorie geführt haben. Verhaltensexperimente verweisen auf systematische Verzerrungen des Erwartungsnutzenansatzes. Die Frage, wie vernünftiges Entscheiden bei Unsicherheit möglich ist, wird damit aufgeworfen.
Prof. Dr. Jürgen Eichberger forscht und lehrt an der Universität Heidelberg. Der Promotion an der Universität Mannheim im Jahre 1983 folgte eine mehrjährige Forschungs- und Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten in Kanada und Australien. Einem Ruf an die Universität des Saarlandes folgend kehrte er 1995 nach Deutschland zurück. Im Jahr 2000 übernahm er den Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie I an der Universität Heidelberg. Forschungsschwerpunkte von Jürgen Eichberger bilden die Entscheidungstheorie bei Unsicherheit, die Spieltheorie und die Theorie des Geldes und der Finanzintermediation. Publikationen zu diesen Themen sind in führenden nationalen und internationalen Zeitschriften erschienen. Die Forschungs- und Lehrtätigkeit von Jürgen Eichberger hat in mehreren Buchpublikationen ihren Niederschlag gefunden.
Die Finanzkrise – Katastrophe oder heilsamer Warnschuss?
Die öffentliche Diskussion über die Finanzkrise wird vom Zorn dominiert: Wir fühlen uns entweder (von gierigen Betrügern oder unfähigen Akteuren) um einen Teil unseres sicher geglaubten Wohlstands gebracht, oder haben zumindest das Gefühl, großes Pech (mit den falschen Kapitalanlagen zur falschen Zeit) gehabt zu haben. Aber es könnte auch ganz anders sein: Vielleicht haben wir sogar Glück gehabt und sind gerade noch mal einigermaßen davongekommen. Es deutet nämlich manches darauf hin, dass unsere Welt viel unsicherer ist, als wir alle glauben (wollen). Daher sind die Aufgaben, die sich uns z.B. am Finanzmarkt stellen, weitaus schwieriger als gemeinhin gedacht, so dass selbst ehrliche und kompetente Menschen schwere Fehler nicht völlig vermeiden können. Egal wie wir weitermachen - mit einem gewissen Risiko werden wir leben müssen. Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, dieses so weit wie möglich zu reduzieren. Der Vortrag wird zunächst erläutern, wie der Transfer finanzieller Risiken (z.B. Versicherungen, Kreditportfolios) funktioniert, und dass er im Grunde sinnvoll ist und Wohlstand schafft. Leider sind aber die für den Risikotransfer nützlichsten Produkte gleichzeitig diejenigen, die am schwierigsten zu kalkulieren sind. Wir werden sehen, dass selbst die Massen an Daten, die uns heutzutage zur Verfügung stehen, nicht immer ausreichen, um präzise Prognosen und faire Preise zu berechnen, und dass die Mathematik, die zur Beschreibung gewisser wirtschaftlicher Zusammenhänge benötigt wird, teilweise noch gar nicht existiert. Aber Resignation ist nicht angebracht, sondern ganz im Gegenteil Aufbruchstimmung, denn neuere Entwicklungen in der mathematischen Forschung geben Anlass zu der Hoffnung, dass es bald möglich sein wird, viele ökonomische Unsicherheiten genauer zu quantifizieren als heute. Und wir müssen nicht untätig hierauf warten, denn schon jetzt kann man viele nützliche Lehren aus der Finanzkrise ziehen und an der Stabilisierung des Finanzsystems arbeiten. Der Vortrag setzt keinerlei Statistikkenntnisse voraus, sondern nur ein gewisses Interesse an Zahlen.
Michael Fackler ist Aktuar (geprüfter Versicherungsmathematiker). Als Bundessieger beim Bundeswettbewerb Mathematik wurde er schon als Schüler in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen und von ihr während seines Mathematik- und Physikstudiums in München und Pisa gefördert. Danach arbeitete er bei Versicherungen in Rom und München, vor allem im Bereich der Rückversicherung, wo man seit Jahrzehnten - mit Erfolg - Produkte einsetzt, die den die Finanzkrise auslösenden Kreditderivaten strukturell sehr ähnlich sind. Heute ist Michael Fackler freiberuflicher Aktuar und forscht nebenbei an versicherungsmathematischen Themen. Seit über 20 Jahren ist er Mensa-Mitglied und für den Verein u.a. aktiv im Mensa Hochschul-Netzwerk.
Das Weltbild der Evolutionsbiologie in den Köpfen der Menschen
Mit der Ausarbeitung der Evolutionstheorie durch Darwin und Wallace vor mehr als 150 Jahren waren tiefgreifende und für viele kränkende Veränderungen unseres Weltbildes verbunden: So wurde der Mensch vom Gottesebenbild zum Affenverwandten degradiert. Oder: Die Veränderung sowie die Entstehung von Arten konnten in der Folge ohne die Annahme des Wirkens eines Schöpfers überzeugend naturalistisch erklärt werden. Bis heute haben viele Menschen Probleme damit, die Gültigkeit der Evolutionstheorie zu akzeptieren. Darüber hinaus wird diese vielfach schlecht oder falsch verstanden. Im Vortrag wird auf typische und verbreitete Einstellungen und Fehlvorstellungen zur Evolutionstheorie eingegangen. Einige mögliche Ursachen, die sich zum Teil auf die oben erwähnten Kränkungen beziehen, werden diskutiert.
Prof. Dr. Dittmar Graf, Jahrgang 1955, studierte von 1976 bis 1983 Biologie (Diplom) und Biologie und Geographie für das Lehramt an Gymnasien; 1989 promovierte er über Begriffslernen im Biologieunterricht der Sekundarstufe I; nach Tätigkeiten an der TU Braunschweig und als Studienrat im Hochschuldienst (Biologiedidaktik) an der Universität Gießen ist er seit 2001 Professor für Biologie und ihre Didaktik an der TU Dortmund.
Sicherheit von Tragstrukturen und unscharfe Daten
Im Ingenieurwesen werden sehr unterschiedliche Konstruktionen entworfen, untersucht und gebaut. Für das Design wird der innere Aufbau einer tragenden Konstruktion idealisiert betrachtet und eine Tragstruktur definiert. Die Tragstrukturen des Ingenieurs sind spezielle Strukturen, deren Destruktion ebenfalls zu planen ist. Sie werden durch Raum- und Zeitkoordinaten beschrieben und bilden zusammen mit den Material- und Einwirkungsgrößen ein Modell, das mit verschiedenartigen Methoden untersucht wird. Die Beurteilung der Sicherheit von Tragstrukturen und die Abschätzung des Risikos eines Versagens unter Beachtung der Schadensfolgen erlangen aus technischer und wirtschaftlicher Sicht zunehmende Bedeutung. Die Folgen von Erdbeben, Tsunami und Terror sind einer breiten Öffentlichkeit gegenwärtig und erfordern sachgerechte Konstruktionen. Die Qualität der angestrebten Aussagen zur Sicherheit der Tragstrukturen wird wesentlich dadurch bestimmt, wie realitätsnah das Berechnungsmodell und die Tragwerksparameter gewählt werden. Die reale Daten- und Informationslage wirkt jedoch i.d.R. dem Ziel entgegen, numerisch verlässliche Sicherheitsaussagen und Prognosen zu erstellen. Sowohl Informationen zur Auswahl eines Berechnungsmodells, als auch Daten zur Festlegung von Eingangsparametern der Tragwerksanalyse sind oft nur eingeschränkt verfügbar und de facto unscharf. Nur wenn die Unschärfe der Eingangs- und Modellgrößen umfassend, zweckmäßig und zuverlässig quantifiziert wird, können Sicherheitsbeurteilungen ehrliche Aussagen liefern. Im Beitrag werden Defizite derzeit gebräuchlicher Methoden der Sicherheitsbeurteilung dargestellt und alternative Vorgehensweisen vorgestellt, die Unschärfe bei der Sicherheitsbeurteilung von Tragstrukturen ausweisen.
Prof. Dr. Wolfgang Graf hat bis 1977 Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Dresden studiert, 1981 zum Dr.-Ing. promoviert und anschließend zahlreiche spannende Bauprojekte bearbeitet. Nach 1989 war er Oberassistent am Lehrstuhl für Statik der TU Dresden und hat viele Drittmittelprojekte sowie Forschungsprojekte im Rahmen von DFG-Einzelanträgen, der DFG-Forschergruppe 500 und im Sonderforschungsbereich 528 geleitet. Seit 2000 ist er Professor am Institut für Statik und Dynamik der Tragwerke an der Fakultät Bauingenieurwesen der TU Dresden. Wolfgang Graf hat mehr als 200 Beiträge in Zeitschriften und Büchern sowie 8 Monographien veröffentlicht. Als Gastprofessor hat er am MISI Moskau, an der TU Budapest, der Rice University Houston und der NSU Singapur gearbeitet.
Zahl, Zahl, Zahl – muss jetzt nicht mal Kopf fallen?
Die Psychologie von Wahrscheinlichkeiten und Zufall
Zahl, Zahl, Zahl – muss jetzt nicht mal Kopf fallen?
Die Psychologie von Wahrscheinlichkeiten und Zufall
Der Vortrag fällt leider aus!
Die psychologische Forschung vieler Jahre konnte zeigen, dass die subjektive Wahrnehmung von Wahrscheinlichkeiten systematisch von objektiven Wahrscheinlichkeiten abweichen. So setzen zum Beispiel Spieler am Roulettetisch, wenn mehrfach hintereinander ROT gefallen ist, mit größerer Wahrscheinlichkeit auf SCHWARZ (gambler’s fallacy). Die subjektive Wahrscheinlichkeit dafür, dass SCHWARZ fällt, steigt dadurch, dass die Kugel zuvor wiederholt auf ROT gelandet ist. Dabei bleibt die objektive Wahrscheinlichkeit für SCHWARZ natürlich von diesen vorherigen Würfen vollkommen unverändert. In diesem Vortrag wird diskutiert, warum Menschen mit Wahrscheinlichkeiten nicht umgehen können, welche Konsequenzen derartige Fehleinschätzungen haben können und wie sie verhindert werden können. Darüber hinaus werden so genannte Entscheidungsheuristiken vorgestellt – mentale „Daumenregeln“, die das Entscheidungen in komplexen Situationen vereinfachen.
Prof. Dr. Susanne Haberstroh, Jahrgang 1971, studierte von 1992 bis 1997 Psychologie an der Technischen Universität Berlin. 2001 promovierte sie an der Universität Heidelberg zum Thema „Die Abhängigkeit der Erwartung vom Wert in Entscheidungen“. Nach Tätigkeiten an der Universität Erfurt und der Jacobs University Bremen ist sie seit 2006 Juniorprofessorin für Sozialpsychologie an der Universität Osnabrück. Ihre zentralen Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Entscheidungspsychologie sowie kulturvergleichende Psychologie.
Der Quantenkosmos –
Von der zeitlosen Welt zum expandierenden Universum
Hat das Universum einen Anfang und ein Ende? Gibt es eine oder mehrere Welten? Welche Rolle spielt der Zufall? Verbindet man die Quantentheorie mit Einsteins Relativitätstheorie, so ergibt sich ein faszinierendes Bild unseres Universums, in der die Zeit verschwunden ist und nur noch als Illusion weiterlebt; ein Bild, das auch die Stellung des Menschen in dieser Welt berührt. Der kurze Streifzug durch die Welt des Quantenkosmos führt durch Relativitätstheorie und Quantentheorie, Zeitpfeil und Kosmologie hin zu Quantengravitation und Quantenkosmologie. Dabei begegnen uns so aufregende Dinge wie Schwarze Löcher, Schrödingers Katze, Dunkle Energie und die Wellenfunktion des Universums. Die Reise führt von gesichertem und etabliertem Wissen hin zu den Grenzen der gegenwärtigen Forschung.
Prof. Dr. Claus Kiefer studierte Physik und Astronomie an den Universitäten Heidelberg und Wien. Er promovierte 1988 in Heidelberg über den Begriff der inneren Zeit in der kanonischen Quantentheorie der Gravitation, habilitierte sich 1995 und lehrte und forschte an den Universitäten Zürich und Freiburg. Längere Aufenthalte unter anderem an der University of Cambridge, der Université de Montpellier und dem Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seit 2001 ist er Professor für Theoretische Physik an der Universität zu Köln. Neben zahlreichen Fachpublikationen schreibt Kiefer auch Aufsätze und Bücher für ein breiteres Publikum, zuletzt das 2008 bei S. Fischer erschienene Sachbuch "Der Quantenkosmos".
Unwahrscheinliche Wahrscheinlichkeiten –
Fehler und Pannen beim Umgang mit Unsicherheit und Risiko
Wieso kann man beim Lotto spielen doch auf lange Sicht gewinnen? Wieso lohnt es sich, beim Fernsehquiz die Ziegentür zu wechseln? Wieso kann es passieren, dass in allen Teilen eines Portfolios die Rendite steigt, aber die Gesamtrendite sinkt? Und wieso sind so viele Dinge, die uns als außergewöhnlich und selten erscheinen, alles andere als unwahrscheinlich? Viele Menschen haben große Probleme, mit solchen Fragen sowie ganz allgemein mit Unsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten richtig umzugehen. Selbst große Mathematiker machen hier immer wieder Fehler. Der Vortrag zeigt, warum das so ist, und was man dagegen tut.
Achtung: Dieser Vortrag findet nicht im HCC, sondern im Tagungshotel statt und kann nur im Rahmen des Mensa-Jahrestreffens gebucht werden. Weitere Informationen hier.
Prof. Dr. Walter Krämer, Jahrgang 1948, studierte Mathematik und Wirtschaftswissenschaften in Mainz, promovierte 1979 in Wirtschaftswissenschaften und habilitierte sich 1984 für Ökonometrie an der TU Wien. Nach einer Professor für Empirische Wirtschaftsforschung in Hannover ist er seit 1988 Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik in Dortmund.
Zufall in der Physik
Der alte Würfelspieler und die Physik: Die Newtonsche Mechanik lässt ihm wenig Spielraum. Doch Boltzmann und Gibbs riefen ihn in Gestalt des molekularen Chaos zur Hilfe, um vermittels des Gesetzes der großen Zahlen das thermische Gleichgewicht zu stabilisieren; ebenso der junge Einstein für seine Erklärung der Brownschen Bewegung. Aber regiert er die Welt in ihrem Innersten, wie es gängige Interpretationen der Quantenmechanik unterstellen?
Prof. Dr. Klaus Kroy hat nach einem wissenschaftspropädeutischen Jahr am Leibniz Kolleg Tübingen an der TU-München Physik studiert, und dort 1998 in Theoretischer Physik promoviert. Nach PostDoc-Aufenthalten in Paris, Edinburgh und Berlin trat er 2004 eine Professur für Theorie der kondensierten Materie an der Universität Leipzig an. Sein Interesse gilt dort vor allem der Frage, wie die Dynamik selbstorganisierter Strukturen (von der menschlichen Zelle bis zur Wanderdüne) aus mikroskopischen stochastischen Nichtgleichgewichtsprozessen hervorgeht.
Wie sicher ist sicher genug?
Das Bedürfnis nach Sicherheit ist sowohl im persönlichen Anspruch als auch in den festgelegten gesetzlichen und normativen Regelungen äußerst verschieden. Während bezüglich freiwillig eingegangener Risiken die Spannweite von Risikovermeidung bis zur Suche nach dem ultimativen Risiko-Kick reicht, wird für von anderen verursachte Einwirkungen, z. B. des Mobilfunks, eine Unbedenklichkeitsgarantie gefordert. Im Gegensatz dazu wird der Anspruch auf Sicherheit in Gesetzen und Normen relativiert und Sicherheit (lediglich) auf einem wirtschaftlich akzeptierbaren Niveau mit noch vertretbaren Risiken ggf. auch im Vergleich zum erwartbaren Nutzen gefordert. Konfliktpotenzial ergibt sich dabei daraus, wie mit Unsicherheiten des Wissens umgegangen wird. Am Beispiel der tatsächlichen und vermeintlichen gesundheitlichem Risiken elektromagnetischer Felder und der Sicherheitsstrategien im Bereich von Haushalts- und Medizingeräten werden die Aspekte der Risikobewertung diskutiert.
Prof. Dr. Norbert Leitgeb ist Vorstand des Instituts für Health Care Engineering, Leiter der Europaprüfstelle für Medizinprodukte, Studiendekan für Biomedical Engineering und Vizedekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Universität Graz. Er leitete bis 2009 den Ausschuss „Nichtionisierende Strahlen“ der Deutschen Strahlenschutzkommission und befasst sich mit Entwicklung und Bewertung neuer Methoden zur Gesundheitsversorgung, Patientensicherheit, Risikomanagement, Konformitätsbewertung und Marktzulassung von Medizinprodukten sowie mit biologischen Wirkungen elektromagnetischer Felder. Leitgeb ist Verfasser von über 260 Fachartikeln und mehrerer Fachbücher, u.a. des aktuell im Springer-Verlag erschienenen „Sicherheit von Medizingeräten - Recht-Risiko-Chancen" und aufgrund seines sonstigen literarischen Schaffens Mitglied des österreichischen Schriftstellerverbandes.
Zufall, Chaos und Selbstorganisation: Wie sollen wir mit komplexen Systemen in Natur, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft umgehen?
Komplexe Systeme sind eines der aufregendsten und spektakulärsten Forschungsgebiete der letzten Jahre. Im Zeitalter der Globalisierung werden die Lebensbedingungen der Menschen immer komplexer und unübersichtlicher. Täglich erleben wir die Zufallsfluktuationen und labilen Gleichgewichte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Einige fürchten den Verlust gewohnter Besitzstände und den Absturz ins Chaos. Andere sehen die Chancen kreativer Innovation und den Aufbruch zu neuen Märkten. Chaos, Ordnung und Selbstorganisation entstehen nach den Gesetzen komplexer dynamischer Systeme – in der Natur und der Gesellschaft. Dabei spielen Zufallsfluktuationen eine entscheidende Rolle. Komplexe dynamische Systeme werden bereits erfolgreich in Technik- und Naturwissenschaft untersucht – von atomaren und molekularen Systemen in Physik und Chemie über zelluläre Organismen und ökologische Systeme der Biologie bis zu neuronalen Netzen der Gehirnforschung und Computernetzen im Internet. Mittlerweile werden auch Anwendungen in Wirtschafts-, Finanz- und Sozialwissenschaften untersucht. Was können wir aus Zufall, Chaos, der Entstehung von Ordnung und Selbstorganisation in der Natur lernen?
Prof. Dr. Klaus Mainzer hat Mathematik, Physik und Philosophie in Münster studiert und dort in Philosophie promoviert und habilitiert. 1980 Heisenbergstipendium. 1980-1988 Professor für Philosophie und Grundlagen der exakten Wissenschaften, Dekan und Prorektor der Universität Konstanz, 1988-2008 Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Universität Augsburg, Direktor des Instituts für Philosophie und des Instituts für Interdisziplinäre Informatik, ab 2008 Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Technischen Universität München und Direktor der Carl von Linde-Akademie, Mitglied u.a. der European Academy of Science (Academia Europaea) in London.
Erscheinungsweisen des Zufalls im zeitgenössischen Film
Zufall und Schicksal, Möglichkeit und Notwendigkeit – es lässt sich sagen, dass dies prägende Themen des 20. Jahrhunderts waren, mit denen sich fast alle Disziplinen auseinanderzusetzen hatten. Dabei fällt auf, dass gerade der Spielfilm der letzten Jahre sich diesem Bereich in vielfältiger Weise angenommen hat: Von der „Entweder-Oder“-Frage, die sich die Protagonistin in Tom Tykwers Lola Rennt stellen muss, bis zum Zickzackmuster der sich zufällig Begegnenden in Robert Altmans Short Cuts. Der Vortrag versucht das Phänomen des Zufälligen im Film aufzugreifen, einen Überblick über Ansatze zu geben und Beispiele vorzustellen. Dazu erfolgt eine Ausführung über unterschiedlicher Konzepte der filmischen Arbeit mit dem Zufall (beispielsweise als thematischer Teil des Plots oder als Komponente der Desorganisation bei der gestalterischen Arbeit selbst) als auch eine Präsentation verschiedener Motive (von der Erfahrung von Schicksalhaftigkeit zum Faktor koinzidierender Begegnungen von Menschen bis zur Entfesselung und Befreiung von gesellschaftlichen Ordnungsmustern durch das Zufällige).Der Vortrag schließt mit einer Erweiterung der rein filmischen Betrachtungen durch einen Anschluss an Diskurse der Sozialwissenschaften wie der Psychologie, die die Filme auch als Möglichkeit der Sinnsuche und der Neuabstimmung des aktuellen menschlichen Selbstbildes anerkennen.
Dr. Florian Mundhenke, Magisterstudium an der Philipps-Universität Marburg. Von 2004 bis 2007 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter Redakteur der Zeitschrift MEDIENwissenschaft und Lehrbeauftragter an der Philipps-Universität. Promotion mit der Arbeit „Zufall und Schicksal. Möglichkeit und Wirklichkeit. Erscheinungsweisen des Zufalls im zeitgenössischen Film“. Seit 2008 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Medienwissenschaft und Medienkultur der Universität Leipzig. Forschungsschwerpunkte: kulturwissenschaftliche und gesellschaftliche Fragestellungen der Medienwissenschaft, zeitgenössische Medientheorien, Narrativik und Ästhetik des Gegenwartskinos, Neue Medien.
Fußball 2030
Der Profifußball hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Einst als Arbeitersportart gelegentlich belächelt, sind nun Business-Seats und Logen in den Stadien voll besetzt – und das nicht nur von Männern. Zudem: Während Deutschland in den Jahren 2008 und 2009 die mit Abstand schwerste Rezession der Nachkriegszeit durchlebte und die Weltwirtschaft am Boden lag, florierte die Fußball-Branche unbeeindruckt weiter. Worin liegt das Erfolgsrezept? Welche Entwicklungschancen hat der Fußball noch? Ein Blick in das Jahr 2030 soll Aufschlüsse geben. Doch der anscheinend durchgeplante Erfolg darf den Blick nicht verstellen, denn kaum eine Branche wird derart stark vom Faktor Zufall gelenkt wie der Fußball. Empirische Studien zeigen, dass etwa jedes zweite Spiel entscheidend von Zufallseinflüssen geprägt wird. Dies stellt eine besondere Herausforderung für die Vereine dar. Welche Chancen, aber vor allem welche Risiken ergeben sich?
Dr. Jörn Quitzau, Jahrgang 1969. Studium der Volkswirtschaftslehre, Universität Hamburg. Promotion, Universität der Bundeswehr in Hamburg. Parallel gutachterliche Tätigkeit, u.a. für den Landesverband Hamburg des Bundes der Steuerzahler. Im Anschluss an die Promotion Einstieg bei der Financial Times Deutschland, Produktmanagement und später Leitung Business Development Online. 2001 Wechsel zur Deutschen Bank Research in Frankfurt. Senior-Economist im Team von Prof. Dr. Norbert Walter, Schwerpunktthema: Wirtschafts- und Finanzpolitik. Seit 2007 als Senior-Economist bei der Berenberg Bank im Makro Research. Schwerpunktthemen: Konjunktur, Währungen, Rohstoffe, Wirtschaftspolitik. Seit 2009 Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Frankfurt School of Finance and Management.
Risikowahrnehmung und Konsumentenverhalten
Warum sorgen sich Menschen um das Risiko eines Flugzeugabsturzes und setzen sich tagtäglich dennoch bedenkenlos dem Risiko eines Autounfalls aus? Im Hinblick auf Fragen des Verbraucherschutzes spielt die Risikowahrnehmung eine große Rolle. Sind bspw. Risiken durch Rückstandsbelastungen in Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen auf Basis der Risikoeinschätzung der Verbraucher oder aufgrund wissenschaftlicher Daten in Bezug auf Wahrscheinlichkeit und Höhe eines Schadens zu regulieren? Warum weichen Konsumenten in ihrer Risikowahrnehmung von der Einschätzung durch Experten ab? Wie lässt sich hier ein gesellschaftlicher Konsens herstellen? Ergebnisse der psychometrischen Forschung zeigen, dass es vor allem die Schrecklichkeit und die Unbekanntheit eines Risikos sind, die Menschen dazu bringen, Risiken verstärkt wahrzunehmen. Verhaltensökonomische Ansätze betrachten den Effekt des Risikoframings und von Heuristiken in der Entscheidungsfindung.
Prof. Dr. Jutta Roosen hat Agrarwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Bonn und den USA studiert. Nach ihrer Promotion an der Iowa State University war sie von 1999-2002 Assistenzprofessorin an der Université cath. de Louvain in Belgien und anschließend Professorin für Haushalts- und verbraucherorientierte Gesundheitsökonomik an der Universität zu Kiel. Seit 2008 leitet sie den Lehrstuhl für Marketing und Konsumforschung an der TU München. In der Forschung arbeitet sie mit Ansätzen der Konsumökonomie mit dem Ziel, den Entscheidungsprozess von Konsumenten und insbesondere den Einfluss von Information, neuen Technologien und kulturellen Aspekten besser zu verstehen. Jutta Roosen ist maßgeblich am Aufbau des neuen Studiengangs European Master in Consumer Affairs beteiligt, der an der TU München seit dem Wintersemester 2009/10 angeboten wird.
Zur Mediation von Risiken
Am Beispiel des Risikos einer pandemischen Ausbreitung viraler Infektionen (SARS) soll Entstehung, Mediation und Umgang von und mit Risiken und deren Folgen sozialwissenschaftlich beschrieben werden. Das SARS-Virus, so die These, war in der Lage, unterschiedliche Orte in unterschiedlichen Kontinenten, kranke und gesunde Körper betroffener und nicht-betroffener Menschen, verschiedene medizinische Praktiken, Sicherheitseinrichtungen an Flughäfen, lokale, regionale, nationale, transnationale, politische, juristische, ökonomische und religiöse Ordnungszusammenhänge zu politisieren, differente kulturelle Wahrnehmungsmuster der Gefährdungslage in Konflikt zu bringen aber auch miteinander zu verknüpfen, etc. Dadurch wurde SARS zu einem hochmobilen Risiko-Akteur, der – völlig indifferent gegenüber den gewohnten Grenzen sozialer Ordnungs- und Regulierungszusammenhänge und ihrer Beobachtungsroutinen – drohte, sich hochgradig folgenreich im globalen Maßstab auszubreiten. SARS markiert ein „kosmo-politisches Ereignis“: Es stellt einen grenzüberschreitenden, öffentlichen Akteur dar, der nicht nur gesellschaftliche Ordnungsmuster, sondern auch die etablierten Routinen seiner Beschreibung kontingent erscheinen lässt und reformuliert.
Dr. Michael Schillmeier lehrt und forscht am Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Schwerpunkte sind: Science, Technology and Society (STS), Disability Studies, Soziologie der Körper und Sinne, Akteur-Netzwerk-Theorie, Kultur/Natur, Empirische Philosophie. Derzeit leitet er als Schumpeter-Fellow der VolkswagenStiftung die wissenschaftliche Nachwuchsgruppe ‚Innovationen in der Nanomedizin’.
Chancen riskieren –
Eine soziologische Perspektive auf das Thema Risiko
Unter Risiko lässt sich ein Konstrukt verstehen über ein zukünftiges, wahrscheinliches (ungewisses) Ereignis, das Schaden verursacht, und das von gegenwärtigen Entscheidungen abhängig ist. Mit Hilfe des Konstruktes können Schäden abgeschätzt und Handlungsstrategien entfaltet werden. Ausgehend von dieser Definition wird im Vortrag eine sozialwissenschaftliche Perspektive auf das Thema Risiko entfaltet. Neben der Frage, wie komplexe und unsichere Risiken gesellschaftlich bearbeitet werden können, steht auch die Frage nach dem Umgang mit unterschiedlichen sozialen Gruppen bei kollektiv bindenden Entscheidungen rund um Risiken im Zentrum des Interesses.
Regina Schröter studierte Politikwissenschaften und Soziologie an der Universität Stuttgart. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei DIALOGIK gemeinnützige Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung mbH. Inhaltliche Schwerpunkte ihrer Arbeit sind neben der Beschäftigung mit Nachhaltigkeit und Risikoforschung vor allem sozialwissenschaftliche Systemtheorie.
Chancen und Risiken des Zufalls in evolutionären Algorithmen
Kaum hatten die ersten Computer Einzug in die Universitäten gehalten, das war Anfang der 1960er Jahre, da gab es Forscher verschiedener Disziplinen an mehreren Standorten, welche versuchten, Prinzipien der natürlichen Evolution zu simulieren. Einmal, um deren Wirkungsweise zu studieren, fast zugleich aber auch schon, um diese als Optimierungsverfahren für technische und andere Prozesse und Systeme zu nutzen. Als heute bekannteste Methoden dieser Art gelten die von John Holland in Ann Arbor kreierten 'Genetic Algorithms', das von Lawrence Fogel aus San Diego 'Evolutionary Programming' genannte Verfahren und die an der TU Berlin von 3 Studenten ins Leben gerufenen 'Evolutionsstrategien' (Bienert, Rechenberg und Schwefel). Es dauerte fast ein Vierteljahrhundert, bis diese 'Evolutionären Algorithmen (EA)' bzw. das Gebiet 'Evolutionary Computation' als Teilgebiet der Informatik Anerkennung fand. Heute wird es zusammen mit den künstlichen 'Neuronalen Netzen' und den 'Fuzzy Systemen' unter dem Sammelbegriff 'Computational Intelligence' als Fortsetzung der 'Künstlichen Intelligenz' mit anderen Mitteln angesehen. Der Vortrag beleuchtet Chancen und Risiken des Einsatzes von evolutionären Algorithmen unter besonderer Berücksichtigung der Evolutionsstrategien.
Prof. Dr. ing. Dr. h.c. Hans-Paul Schwefel, geb. 1940 in Berlin, hat Flugtechnik an der TU Berlin studiert und dort am Fachbereich Verfahrenstechnik promoviert. Nach seiner Zeit als Wissenschaftlicher Angestellter der KFA Jülich erhielt er 1985 eine Professur im Fachbereich Informatik an der Universität Dortmund, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 ausübte. 1996–2005 war er Sprecher des Sonderforschungsbereichs SFB 531, 1990–1992 Dekan des Fachbereichs Informatik, 1998–2000 Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Im Jahr 2007 wurde im die Ehrendoktorwürde der University of Birmingham verliehen.
Zufall, Risiko & Chancen in der forensischen Psychiatrie oder:
Die Gefahren der Gefährlichkeitsprognosen
Die Vorhersage von Deliktrückfälligkeit und die tatsächliche Rückfallquote forensisch untergebrachter Patienten (§ 63 StGB) interessiert nicht allein die mit dieser Thematik beschäftigten Experten, sondern gleichfalls Politik und Allgemeinheit. Prognostische Aussagen sind aus vielerlei Gründen methodisch limitiert. Grundproblem ist, dass der Mensch nicht in die Zukunft sehen kann, was der dänische Philosoph Soren Kierkegaard Mitte des 19. Jahrhunderts prägnant formulierte: „Das Leben kann in der Schau nach rückwärts verstanden, aber nur in der Schau nach vorwärts gelebt werden“. In der forensischen Praxis fordern Richter regelmäßig legalprognostische Einschätzungen von psychiatrischen Sachverständigen an. Man bedient sich dieser „Gehilfen“ in der Hoffnung, möglichst treffsicher die Gefährlichkeit oder die eben nicht mehr vorhandene Gefährlichkeit eines Täters feststellen zu können. Prognosegutachten besitzen demnach einen gewichtigen Einfluss bei der Frage der Dauer eines Freiheitsentzuges; sie gehören zu den verantwortungsvollsten Aufgaben der forensischen Psychiatrie. Während es auf der einen Seite um die persönliche Freiheit des Einzelnen geht, bleibt auf der anderen Seite der Schutz der Öffentlichkeit vor weiteren Straftaten zu bedenken. In diesem Spannungsfeld hat der Gutachter seine Einschätzung und darauf aufbauend der Richter seine Entscheidung über eine Entlassung zu treffen.
PD Dr. Dieter Seifert, Jahrgang 1959, Studium der Humanmedizin sowie Facharztausbildung (Arzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie) am Universitätsklinikum in Münster; Promotion 1986; seit 1993 Oberarzt am Institut für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen. 1995 Aufbau der Essener Fachambulanz für forensische Patienten. Seit etwa zwei Jahrzehnten als Gerichtsgutachter beschäftigt. Wissenschaftliche Schwerpunkte: Gefährlichkeitseinschätzung, forensische Nachsorge sowie medikamentöse Behandlung von Sexualstraftätern. 2006 Habilitation mit dem Thema: „Gefährlichkeitsprognosen im psychiatrischen Maßregelvollzug nach § 63 StGB“. In der Lehre als Dozent für Forensische Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät in Essen und an der Juristischen Fakultät in Münster tätig.
Der Grund für die Boni –
Die Prinzipal-Agent-Theorie in der Ökonomie
Durch die Subprime-Krise und die daraus entstandene weltweit zu spürende Wirtschaftskrise ist eine umfangreiche Diskussion über die Höhe von Boni in der Finanzwirtschaft entstanden. Es stellt sich die Frage, ob eine so hohe Vergütung zu rechtfertigen ist. Aus ökonomischer Sicht wird in diesem Kontext auf die Prinzipal-Agent-Theorie verwiesen. Der Vortrag beschäftigt sich mit dem verhaltenswissenschaftlichen Begründungszusammenhang und gibt Erklärungsansätze für die Höhe der Boni. Es wird hierbei auch der Frage nachgegangen, welche Vergütungshöhe von den Menschen in Deutschland als gerecht angesehen wird.
Prof. Dr. Holger Stein hat Wirtschaftspädagogik am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und einen Abschluss als Diplom-Handelslehrer erlangt. Promoviert hat er in Volkswirtschaftslehre über das Thema der Vermögensverteilung in Deutschland. Er ist Professor an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management (FOM) für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensführung und koordiniert die Didaktik des deutsch-chinesischen Kooperationsstudiengangs der FOM. Seit 1998 ist Holger Stein Mitglied von Mensa in Deutschland e.V. und war mehrere Jahre im MinD-Hochschul-Netzwerk aktiv tätig. So war er einer der beiden Akademieleiter der 3. und 4. MinD-Akademie.
Chance als Möglichkeit, ein Ziel zu erreichen
Was bedeuten Zufall und Risiko für Chancen, wenn Chancen als Möglichkeit der Zielerreichung definiert werden? Der erste Teil des Beitrags analysiert Chancen aus struktureller Sicht: Welche Elemente bilden zusammen eine Chance? Der zweite Teil des Beitrags untersucht Chancen aus prozessualer Sicht: Wie entstehen Chancen, und wie werden sie genutzt? Der dritte Teil ist dem Abgleich der theoretischen Überlegungen aus den ersten beiden Teilen mit der Praxis gewidmet: Wie wirkt das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Unsicherheit auf Chancen? Welche Bedeutung haben Zufall und Risiko für Chancen? Idealerweise ergibt sich als vierter Teil eine lebhafte Diskussion der Teilnehmer über ihre jeweiligen Perspektiven auf Chancen.
Dr. oec. Felix Treibmann, M.B.A. und Dipl.-Wirtsch.-Ing., leitete die Repräsentanz Japan eines Industrieversicherers, als sich das Erdbeben von Kobe ereignete. Das Erleben der positiven Effekte, die sich aus dem Erdbeben ergaben, führte ihn zu seiner Dissertation über die „Betriebsunterbrechung als Chance“. Heute gestaltet Felix Treibmann in Zürich aus dem Schadenmanagement einer Versicherung heraus transparente Informationsstrukturen und optimiert das Regelwerk der Schadenbearbeitung. Sicherheit in Form von Gewissheit im Dienstleistungsprozess der Versicherung ist sein Beitrag zur Nutzung von Chancen.
Kontroll(technik), Risiko(Management), Stadt(planung)
Städte und städtisches Leben "passieren" nicht einfach. Sicherheit ist mehr als nur ein Gefühl und kann sehr wohl konstruiert und gesteuert werden. Terror, Naturkatastrophen, gefährliche Klassen, Konsum und modernes urbanes Leben wollen gemanagt werden. Dazu gehört auch, dass ein flächendeckendes Netz von Kontrollen eingeführt wird um dem Bürger ein Höchstmaß Sicherheit bei gleichzeitig gefühlter urbaner Unabhängigkeit zu verprechen. Ein Widerspruch, der zu neuen Unsicherheiten, Risiken und Friktionen führen kann. Der Vortrag wirft einen kurzen Blick auf die Konsequenzen städitischen Risikomanagements und den immer heftiger gestellten Wünschen nach noch mehr Kontrolle. Ob Stadtluft dann noch immer frei macht muss man dann in neuem Licht besehen.
Dr. Nils Zurawski, Jahrgang 1968, Soziologe/Ethnologe, Studium/Promotion in Münster, seit 2000 verschiedene Forschungsprojekte, u.a. zu Videoüberwachung und Raumwahrnehmung; Gewalt und Identität in Nordirland; Kundenkarten und Alltagspraxis. Forschungsinteressen: Identität, Überwachung, Kontrolle, Raum, Stadt, cognitive mapping, politische Anthropologie, Gewalt, Konflikt. Herausgeber von: Surveillance Studies. Perspektiven eines Forschungsfeldes, Opladen 2007



